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Grunz, das Kielschwein

erschienen im
Pro Business Verlag.

Bezugsmöglichkeiten:
krakenfischer
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100 Seiten, DIN A5
Preis: € 9,90
ISBN:
978-3-86805-020-2
für 5 bis 10 jährige

 

 

 

Leseprobe:

 

Mit einem schweren Ächzen der Planken drehte das Schiff dem neuen Kurs entgegen, den Stubbe der Steuermann am Ruder hielt. Die Seerose war schon alt und man sah ihr an, dass sie schon einige Schlachten auf See durchstehen musste. Der Mast zeigte an einigen Stellen schon große Macken, die Planken hatten notdürftig geflickte Risse und die Segel sahen aus der Ferne aus wie ein Flickenteppich. Aber sie war flink wie der Wind, was keiner vermutete. Deshalb konnte Simsebart mit seinen Piraten in der Vergangenheit viel Beute machen. Viele Handelskapitäne belustigten sich über die Seerose. Einige fingen so laut an zu lachen, wenn Simsebart die Piratenflagge hissen ließ, dass man es über das Meer hören konnte. Keiner rechnete damit, dass die Seerose sie einholen konnte. Und zuletzt lachten Simsebart und alle seine Piraten am lautesten.

So segelte  die Seerose nun in Richtung Süden, weil dort Simsebart und Dropkopp die Handelsschiffe vermuteten.

Mittlerweile waren wieder ein paar Tage vergangen, ohne dass auch nur ein einziges Schiff am Horizont ausgemacht werden konnte. Schruppe saß oben im Krähennest und hielt Ausschau. Aber außer ein paar Möwen, die ihn manchmal ärgerten, wenn er aß – und das tat er oft – war nichts zu sehen. Alle rechneten mit einem neuen Wutanfall Simsebarts. Und dann polterte Simsebart auch schon an Deck. Die Piraten schauten, dass sie wenigstens so taten, als wären sie gerade mit etwas ganz besonders Wichtigem beschäftigt. Selbst LeFou, der sich fast nie weit von seinem Herd entfernte, schnappte sich einen Lappen und polierte die Reling. Simsebart stand da und grinste; er konnte sich nicht erinnern, die ganze Mannschaft jemals so emsig bei der Arbeit gesehen zu haben. Normalerweise musste er sie immerzu antreiben. Simsebart nahm seine wichtige Haltung an, so dass alle Männer direkt wussten, dass er jetzt etwas ebenso Wichtiges sagen wollte. Mit tiefer Stimme begann Simsebart zu sprechen: „Männer, wir werden ein Fest feiern!“ Die Piraten schauten sich verständnislos an. Keiner wusste so recht, was er davon halten sollte. Auf jedem anderen Piratenschiff wäre Begeisterung ausgebrochen, Jubelschreie hätten die Fische der Tiefsee noch erschreckt. Aber keiner von Simsebarts Leuten gab einen Mucks von sich. „Wenn wir das erste Schiff gesehen und geplündert haben, dann feiern wir wie die britische Admiralität zu Weihnachten. Wir trinken Rum und genehmigen uns zur Krönung der Feier den Braten unseres dicken Kielschweins unter Deck“, fuhr Simsebart fort. Augenblicklich stimmten die Piraten in Jubelgesang ein. Auch Schruppe grölte aus vollem Hals aus dem Mast herunter. Simsebart hob die Hand, um hinzuzufügen: „Zur Motivation holen wir das Kielschwein auf Deck und schauen es uns mal bei Tageslicht an. Denn wenn man weiß, wofür man sich anstrengt, macht es doppelt Freude. Ist das nicht so, Männer?“ Der Jubel ging unvermindert weiter. „LeFou, geh und hole das Kielschwein und zeig uns den fetten Braten!“

 

Das Kielschwein hatte unter Deck alles mit angehört und erschrak fürchterlich. Jetzt schon sollte es ihm an den Kragen gehen. Ganz aufgeregt begann das Kielschwein an dem Seil zu zerren, an dem es festgebunden war. Aber es war zu eng um seinen dicken Hals geschlungen. Und es war zu fest an den Kiel gebunden. Als LeFou in den Mannschaftsraum kam und das Kielschwein sah, bekam er schon richtig Appetit. „Bald gibt es eine külinarische Köstlischkeite, mein dickes Kielschweine“, schwärmte der kleine dicke Schiffskoch und rieb sich dabei mit beiden Händen seinen Kugelbauch. Eigentlich unterschied er sich gar nicht so sehr vom dicken Kielschwein. Nur war dies noch ein bisschen größer als er selbst. „LeFou“, hörte er von oben den Piraten- kapitän Simsebart ungeduldig rufen, „LeFou, du sollst das Kielschwein nicht schon schlachten. Bring es hoch und führe uns den Braten vor. Wir wollen es sehen.“ „Ja, LeFou, zeig uns unsere Belohnung“, warf die ganze Piratenbande hinterher.

 

LeFou schnappte sich das Kielschwein und zog es die steile Treppe zum Deck hinauf. Das Kielschwein bekam es mit der Angst zu tun. Es wusste, jetzt musste ihm etwas einfallen, damit es nicht im Topf und dann in den Bäuchen der unrasierten und miefigen Piraten landete. Aber vor Aufregung konnte das Kielschwein keinen klaren Gedanken fassen. Oben an Deck jubelte die Bande bei seinem Anblick. Alle hatten schon den fetten Kielschweinbraten vor Augen und betätschelten das Kielschwein neugierig. „So, Männer, das reicht. LeFou, bringe das Kielschwein wieder runter. Jetzt wisst ihr, worum es geht. Und jetzt findet gefälligst ein Schiff auf diesem Meer. Es muss doch hier irgendwo Schiffe geben, verflixt. Auf eure Positionen, ihr Halunken. Ich werde euch Beine machen“.

LeFou brachte das Kielschwein wieder unter Deck. Auch das Kielschwein hatte bemerkt, was LeFou doch für ein dicker Pirat war. Er war der dickste Pirat auf dem Schiff. Er war sogar der dickste Pirat, den es je gesehen hatte. Ja eigentlich war LeFou noch dicker als das Kielschwein. Und da kam dem Kielschwein eine Idee...

 
 

 

 

 

Grunz, das Kielschwein

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